Es war einmal vor 34 Jahren ein Bezirk im Norden Niederösterreichs. Bäuerliche Infrastruktur in den Dörfern mischte sich auch damals schon mit PendlerInnen die ihren Arbeitsplatz in Wien haben.
Pernersdorf beherbergt im Jahr 1985 einen Mitarbeiter der Firma ITT in Strebersdorf der auch Nebenerwerbslandwirt war. Nach ein paar kleineren Arbeiten im Weingarten stieg Herr W. in Pernersdorf in den Zug und stieg in Zellerndorf um Richtung Wien. Beim Umsteigen traff er immer wieder einen Uhrmacher aus Siegmundsherberg und nutzte die Zeit im Zug zum Karten spielen und fachsimpeln über Weinbau.
Damals wurde gerade die Autobahn bis Stockerau gebaut (Eröffnung 1.4.1986) und aus der damaligen S3 (Bauzeit 1969 – 1981) wurde mehr oder weniger die heutige Lösung. Parteien fordern eine Autobahn bis… ja bis wohin denn? Da waren sich die Parteien schon uneinig. Herr W. und sein Uhrmacher schert das nicht und sie fahren bis zum Ende mit dem Zug zur Arbeit. Nun haben die beiden ein Problem, denn der Zug wurde eingestellt – obwohl die Österreichische Raumordnungskonferenz in ihrem Beschluss vom 24.6.1980 eine andere Empfehlung abgegeben hat. Beide brauchen ein Auto, beide fahren nun zu ganz unterschiedlichen Bahnhöfen – im Zug trifft man sich selten. Herr W. hat seine Landwirtschaft aufgegeben und schreit nun auch nach einer Autobahn – obwohl er nicht mehr so oft Auto fährt. Sein Neffe wohnt heute nicht in Pernersdorf, das ist ihm zu weit zum Fahren. In Hollabrunn steigt er in den Zug nach Wien, wenn er einen Sitzplatz bekommt klappt er seinen Laptop auf und ist quasi schon im ersten Meeting. Einen Uhrmacher kennt er nicht mehr, er liest die Zeit am Handy ab.
Die Lösung: Es soll eine Autobahn gebaut werden!(?) Das Land NÖ kündigt an eine Autobahn zu bauen, Herr Donnerbauer macht pünktlich zu irgendeiner vergangenen Wahl einen Spatenstich und die ASFINAG präsentiert den Projektfortschritt. Die meisten Bürgermeister findens gut und fast alle Oppositionsparteien auch.
Was passiert wirklich? Nun es ist keine Rede mehr von einer Autobahn, jetzt spricht man von Bestandsausbau und Sicherheitsausbau. Angeblich soll gleich alles für zukünftige vier Spuren vorbereitet werden. Die Menschen lassen sichs gefallen und zur allgemeinen Belustigung werden neue Verkehrsschilder mit einer abstrusen Vorschrift kreiert. „Achtung Engstelle, bei Stau diesen Bereich freihalten“ mahnen diese Schilder entlang der neuen Strasse von Hollabrunn nach Stockerau und markieren die Brücken, welche natürlich nicht 4 spurig vorbereitet wurden, geschweige denn an die heutige Breite der Strasse angepasst wurden. Die Feuerwehren der Umgebung hatten bisher schon Einwände zur Breite, an diesen Engstellen wird allen klar warum.
Ach ja, die meisten Parteien fordern immer noch eine Autobahn, ab wann sagen sie nicht mehr dazu, aber wenn wir uns diese kleine Geschichte durchrechnen, dann wird es im Jahr 2050 wahrscheinlich so weit sein. Dumm für die Autobahn wäre, wenn es dann wieder Uhrmacher gäbe, Menschen die Lebensqualität wieder geniessen können und gerne gemeinsam mit einer Schnellzugsverbindung jede halbe Stunde nach Wien fahren. Aber so weit wirds ja wohl nicht kommen – oder?
